Zukunftsängste

Seit zwei Jahren Abitur, ein abgebrochenes Studium und noch immer keine Ahnung, was ich beruflich machen will. Das hat mir oft Angst gemacht, bis ich gemerkt habe: Dafür gibt es keinen Grund.

Wir lernen von klein auf, dass wir etwas leisten müssen. Der Gedanke ist in uns gepflanzt und wächst ohne, dass die meisten von uns es merken. In der Schule lernen wir abhängig zu sein: von Lehrern, Stundenplänen, Klausuren und vor allen Dingen Noten. Dort muss man nur funktionieren, seine Aufgaben erfüllen und sich selten eigene Gedanken machen – bis zu dem Tag, an dem sie dir das Zeugnis in die Hand drücken. Von diesem Tag an nämlich, sollst du unabhängig sein – erwachsen. Das funktioniert oft ungefähr so gut, wie einem Vogel die Flügel zu stutzen und danach von ihm zu verlangen zu fliegen.
Folgen? Studienabbrecher, Orientierungslose und überforderte Jugendliche.
Wir machen heute so jung Abitur wie noch keine Generation vor uns – ich mit damals gerade erst 17 Jahren. Von uns wird verlangt zu entscheiden, was wir die nächsten zehn, zwanzig oder dreißig Jahre unseres Lebens machen wollen.
Unser Luxus ist Fluch und Segen gleichzeitig: Unsere Möglichkeiten sind unendlich, einfach grenzenlos. Doch was bringen sie uns, wenn wir vor lauter Angst, eine davon zu verpassen, plötzlich alle verstreichen lassen, ehe wir es merken. Woher kommt nur diese Angst?
Ich glaube, dass wir sie erlernt haben. Sie ist nicht natürlich, sondern resultiert aus gesellschaftlichen Maßstäben an denen wir uns messen: Beruflicher Erfolg, Schönheit, Noten, Beliebtheit, ein einwandfreier Lebenslauf. Und wenn wir oft genug zu dem Schluss kommen, dass wir nicht gut genug abschneiden, versuchen wir es vielleicht beim nächsten Mal gar nicht erst.
Das Streben nach Perfektion innerhalb dieser Maßstäbe, und immer wieder das Scheitern, weil sie gar nicht existiert, macht uns zu ängstlich uns zu fragen, was uns glücklich macht, ängstlich daran zu zweifeln was uns vorgelebt wird, ängstlich davor, nach eigenen Wegen zu suchen.
Dabei sind wir doch viel zu jung, um nicht zu suchen.
Um ehrlich zu sein, wird man dafür auch niemals zu alt.