Update – Lebenszeichen

Das ist er nun: Der lang angekündigte Blogbeitrag.
Ich habe in den letzten Wochen sehr viele Texte verfasst, die ich auch gerne teilen wollte, doch kurz vor der Veröffentlichung waren sie mir dann doch immer zu privat. Bei mir hat sich in den letzten Monaten doch recht viel verändert und entwickelt und ich kann die Gefühle und Gedanken noch nicht richtig ordnen, um sie richtig auszudrücken. Über manche Themen werde ich auch erstmal gar nicht schreiben.  Auch auf Instagram ist es deswegen ruhiger geworden im Vergleich zum Sommer.
Ich freue mich, dass immer mal wieder Menschen nachgefragt haben, wann ich mich mal wieder melde, danke auch für viele liebe Worte, die mich erreicht haben.

Ich habe auf meinem Instagram Account eigentlich nie darüber gesprochen, wie mir mein Leben hier in Berlin gefällt und wenn ich meinen Feed so durchscrolle, sieht es wirklich so aus, als würde ich alles an dieser Stadt lieben. Und im Großen und Ganzen ist das auch so: Ich mag Berlin wirklich sehr gerne. Diese Stadt schläft nie – jederzeit, überall, alles möglich; das Tempo hier ist stramm, aber das gefällt mir. In der Uni habe ich – auch wenn es doch nicht so schnell ging wie ich erwartet hätte – interessante und liebe Menschen kennengelernt, mit denen ich viel Zeit verbringe. Und ganz besonders liebe ich meine Arbeit und die Menschen dort – nach wie vor gehe ich auch lieber zur Arbeit als in die Uni. Und meine inzwischen wohl engste Freundin Anna wohnt auch hier in Berlin. Ich habe sie im ICE von Berlin nach Wuppertal kennengelernt, nachdem wir im Februar auf Wohnungssuche waren. Verrückt, was seitdem passiert ist.
Trotz allem ist Berlin nicht mein zu Hause.
Zugegeben – ich wollte auch nie, dass Berlin wirklich mein zu Hause wird, denn ich habe schon ein zu Hause, das ich wirklich so sehr liebe: meine Heimatstadt Wuppertal.

Am Silvesterabend wurde mir die Frage gestellt:
„Was war das Beste, von dem zu dich 2017 getrennt hast?“ Anschließend habe ich sehr lange darüber nachgedacht und die Antwort ist: Wuppertal. Mag wie ein Paradoxon klingen, ist es aber nicht.
Ich habe Wuppertal der Liebe wegen verlassen, um mit dem Menschen zusammen zu sein, den ich liebe. Diese Entscheidung war die schwierigste, die ich bis dahin getroffen habe. In den 10 Monaten, die ich hier wohne, habe ich mich – und haben sich auch andere Dinge – auf eine Art und Weise entwickelt, wie es sonst erst in ein paar Jahren oder anders oder gar nicht passiert wäre.
Ehrlich gesagt: Ich werde langsam erwachsen schätze ich.
Immer habe ich ich das Gefühl gehabt, dass ich mich für mein Alter irgendwie rechtfertigen müsste, vor allen Dingen, weil mein Freundeskreis immer älter war als ich. Vor kurzem wurde mir erst klar, dass ich das überhaupt nicht muss. Ich bin verdammt jung und habe keine Ahnung, was ich eigentlich will und weiß auch sonst gar nicht genug über mich selbst. Und das ist auch total okay! Alles andere wird sich zeigen…

Großes vor mir, auch große Angst
Ich traue mich jetzt an Dinge heran, die ich mir vorher gar nicht vorstellen konnte: Zum Beispiel möchte ich im Sommer alleine nach Asien reisen. Vor einem Jahr? Undenkbar für mich.
Durch die Selbstständigkeit, mit der ich in Berlin konfrontiert bin, war und bin ich gezwungen, mich mit mir selbst zu beschäftigen und bin auf mehr Konflikte mit mir selbst gestoßen, als ich erwartet hätte. Ich glaube, dass ich das alleine in einem fremden Land noch viel intensiver erleben werde. Natürlich habe ich auch Angst davor, aber ich glaube daran, dass es mich weiterbringen wird.
Überhaupt glaube ich, dass mich dieses Jahr ziemlich weiterbringen wird, weil ich weiter herausfinden will, was ich will. Wie eben schon gesagt: Ich werde wohl erwachsen… #glückskindgrows

 

Ausschnitte aus zwei Texten von Anfang Dezember
„Doch im Moment kann ich meine Gedanken und Gefühle gar nicht formulieren – in der einen Woche bin ich ganz euphorisch und in der nächsten würde ich am liebsten hinschmeißen.“

„Berlin. Vor ein paar Wochen war ich drauf und dran meine Taschen zu packen und sofort zurück in meine Heimatstadt zu gehen. Dass man in Berlin fast ausnahmslos anonym ist, man eigentlich niemanden trifft, den man kennt, hat mir hier von Anfang an nicht besonders gut gefallen. Klar, dass das so ist, wusste ich auch vorher, aber wie es sich anfühlt wusste ich nicht. Drogen sind überall – egal um welche Uhrzeit ich auf die Bahn warte, rauchen Menschen auf dem Bahnsteig Crack. Und inzwischen überrascht es mich kaum noch – man stumpft ab!“
Ergänzung dazu: Drei Wochen danach wurde nachts an der Bushaltestelle direkt neben mir einem schlafenden Obdachlosen von einem vorbeilaufenden Mann so fest gegen den Kopf getreten, dass er eine Platzwunde an der Stirn davon getragen hat. Da fühlte ich mich wieder genauso wie Anfang des Monats.“